20 Jahre WM 2006: Der größte Einsatz in der Geschichte der Feuerwehr Kaiserslautern
Vor genau zwei Jahrzehnten stand Kaiserslautern im Mittelpunkt der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Für die heimische Feuerwehr war dieses Turnier der größte und längste Einsatz, den sie je bewältigen musste. Als kleinste der damaligen WM-Städte stand Kaiserslautern vor einer gewaltigen Herausforderung. Die bundesweiten Sicherheitsvorgaben verlangten, im Notfall bis zu 1.000 Verletzte innerhalb von vier Stunden versorgen zu können. Zudem musste die sogenannte Einsatzgrundzeit – also die Zeit vom Notruf bis zum Eintreffen der Retter – im Stadion und auf der Fan-Meile von regulär acht auf maximal vier Minuten verkürzt werden. Auch für sogenannte ABC-Lagen, also Unfälle mit atomaren, biologischen oder chemischen Gefahrstoffen, musste die Feuerwehr jederzeit einsatzbereit bleiben.
Um diese strengen Vorgaben nicht nur an den Spieltagen, sondern während der gesamten vier Turnierwochen zu erfüllen, richtete die Feuerwehr provisorische Wachen ein. Diese befanden sich unter anderem auf dem Gelände der ASK in der Daennerstraße und direkt am Finanzamt in der Fan-Meile, wo das dichte Gedränge ein Durchkommen für normale Einsatzfahrzeuge oft unmöglich machte. Unterstützt wurde die Feuerwehr Kaiserslautern dabei von Feuerwehren aus ganz Rheinland-Pfalz, aber auch aus Städten wie Dresden und Bremerhaven. Auch ein Rettungshubschrauber war für über zwei Wochen direkt auf der Hauptwache in Kaiserslautern stationiert.
An den fünf Spieltagen in der Stadt befanden sich jeweils über 2.200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), Bundeswehr und den großen Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz oder den Maltesern in Bereitschaft. Sie bauten große, mobile Behandlungsplätze auf, in denen je nach Größe 50 bis 150 Verletzte pro Stunde medizinisch versorgt werden konnten. Zusätzlich gab es Stationen zur Dekontamination, in denen Menschen nach dem Kontakt mit gefährlichen Stoffen sicher gereinigt werden können, sowie ein Feldlazarett der Bundeswehr im PRE-Park. Um Patienten bei Bedarf zügig auf umliegende Krankenhäuser verteilen zu können, wurden spezielle Transportkomponenten aus Rettungsfahrzeugen gebildet.
Um die Straßen in der ohnehin vollen Stadt nicht mit Einsatzfahrzeugen zu verstopfen, warteten viele Einsatzkräfte als Reserve in sogenannten Bereitstellungsräumen am Stadtrand oder im Umland, bis nach Grünstadt und Homburg. Im Hintergrund leisteten viele weitere Helfer wichtige Arbeit: Spezielle Messtrupps der Feuerwehr und Bundeswehr prüften die Luft in der Stadt präventiv und ständig auf Schadstoffe. Am Stiftsplatz stand ein Kriseninterventionsteam bereit, um Betroffene und Einsatzkräfte in seelischen Notlagen psychologisch zu betreuen. Die Jugendfeuerwehr übernahm eine besondere Aufgabe und versorgte die wartenden Einsatzkräfte an ihren Standorten unkompliziert mit Getränken und Dingen des täglichen Bedarfs.
Rückblickend hat sich die lange und intensive Planung voll ausgezahlt. Eine Großschadenslage blieb glücklicherweise aus; an den Spieltagen gab es für die Feuerwehr sogar weniger Alarmierungen als an ganz normalen Tagen. Die eigentliche Meisterleistung im Hintergrund bestand darin, die vielen tausend Einsatzkräfte während ihrer oft 16-stündigen Schichten zu koordinieren und zu versorgen. Die reibungslose Zusammenarbeit aller Beteiligten wurde von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen und sorgte dafür, dass die Weltmeisterschaft 2006 in Kaiserslautern als sicheres und friedliches Fest in Erinnerung bleiben konnte.





